Richtig schreiben lernen

Leider gibt es bis zum heutigen Tag noch immer keinen offiziellen Grundwortschatz für das Land NRW.
Ich verschaffe Euch, bis zum ersehnten Start dieser oben markierten Seite, Abhilfe und empfehle einen Artikel von Beate Leßmann zum Thema „Richtig schreiben lernen“.
Zusammenfassend wird von ihr aus drei Perspektiven auf die facettenreichen Aspekte des Rechtschreiblernens eingegangen: aus der Perspektive der Sache, aus der Kindesperspektive und aus der Unterrichtsperspektive.
Die Sachperspektive gibt einen detailierten Einblick in die Komplexität unserer Orthografie und dabei fallen Schlagwörter wie phonologisches, silbisches, morphologisches und syntaktisches Prinzip.
Ein Beispiel:

graphemische Analyse des Wortes „singen“
silbische Analyse des Wortes „singen“
morphematische Analyse des Wortes „singen“

Durch die Perspektive des Kindes wird der Erwerbsprozess des Lernenden in den Mittelpunkt gerückt.
Wichtigster Punkt: Rechtschreibschemata ausbilden und diese weiterentwickeln.
Zu Schulbeginn sind die Lernenden noch keine kompetenten Rechtschreiber und können somit nicht auf verfügbare Schreibschemata zurückgreifen. Mit Hilfe von inneren und äußeren Mustern versucht der Schreiber das Wort zu konstruieren. Der Weg führt zuallererst über die Lautung. Das bedeutet ganz konkret, dass wahrgenommene Laute (Phoneme) des gesprochenen Wortes passenden Graphemen (Buchstaben) zugeordnet werden (Phonem-Graphem-Korrespondenz).
Im Zuge eines strukturiert angelegten Rechtschreibunterrichts werden dem Lerner weitere „Herleitungsstrategien“ (Fay2012, vgl. Artikel) an die Hand gegeben.
Die Aufgabe eines modernen Unterrichts ist es implizite Verstehensprozesse anzuregen. Dies gelingt vor Allem durch das Lernen an Beispielen und durch komplexe Aufgabenstellungen.
Das erfolgreiche Lernen im Unterricht setzt dort an, wo das Schreiben von Anfang an in authentische Zusammenhänge eingebunden wird. Wenn eigene Texte an echte Adressaten verfasst werden (Dankesbriefe an Eltern, Klassen- oder Schulzeitung, gemeinsames Geschichtenbuch, Gedichte-Austellungen uvm.) und die Lerner dadurch erkennen, dass ihre Texte besser gelesen und verstanden werden können, wenn ihre Schreibungen dem orthografischen Prinzip folgen, dann findet individueller Rechtschreibunterrichr statt.
Rechtschreibung integrativ anlegen, nicht isoliert bearbeiten und eine Einbettung in Unterrichtsarrangements, die unsere Kinder weder unter- noch überfordern, anstreben.
Das ist es, was unsere Grundschulkinder benötigen!!!
Zum Ende ihres Artikels stellt Beate Leßmann die momentan sich gegenüberstehenden Ansätze des „Lesen durch Schreiben“ (Reichen) und die Herangehensweise eines Ansatzes der stärker auf schriftsystematische und silbenanalytische Weise zu vermitteln versucht, gegenüber. Dieser letztere Ansatz geht von der schriftlichen Silbe aus und sieht im Lesen und Analysieren von Wörtern den Ausgangspunkt des Rechtschreibens.

© Cornelsen Verlag GmbH / Grundschulmagazin, 4/2017
https://www.oldenbourg-klick.de/zeitschriften/grundschulmagazin/2017-4/richtigschreiben-lernen

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