Prinzipien der Schrift – ein roter Faden zum Schreibenlernen

Nach Praxisinput aus den letzten Tagen folgt heute etwas aus der theoretischen Ecke.
Ich habe einen kleinen roten Faden zu den Prinzipien der Schrift für Euch zusammengestellt.
Einen Einblick in die Praxisarbeit mit dem roten Faden als Strukturierungshilfe für mündliches wie auch schriftliches Erzählen findet ihr hier.

Das alphabetische Prinzip
Das alphabetische Prinzip ist das grundlegende Prinzip in allen Schreiblernprozessen. Durch die Phonem-Graphem-Korrespondenz (Laut-Buchstaben-Zuordnung) werden gehörte Laute einzelnen Buchstaben bzw. Buchstabenkombinationen zugeordnet.
Die Kinder schreiben ihre Wörter zuerst nach ihrer Klangstruktur auf.
Eine auftretende Problematik ist die, dass die wenigsten Zuordnungen eindeutig und immer gültig sind. Man achte beispielsweise auf die Verwechslungen von „w-f“ oder
„b-p“. Oder bei undeutlicher Aussprache der Buchstabenverbindungen wie sch,ch,ng, ei, oder au.
Ganz wichtig zu erwähnen ist, dass sich in der alphabetischen Phase Falschschreibungen nicht einprägen, denn die Kinder konstruieren häufig verwendete Wörter immer wieder neu. 
Ein wunderbares Argument gegenüber Eltern, die morgens kurz vor Schulbeginn noch einmal eben im Türrahmen stehen und sagen:“ Frau Fröhlich, mein Kind schreibt alles falsch. Es notiert nur wenige Buchstaben des Wortes und dann prägt es sich das alles falsch ein und wird nie auf das Gymnasium kommen!!!“
Aufregung da, Puls auch, was tun?
Ich antworte mittlerweile ganz gelassen: „Das wäre sooo schön, wenn sich die Kinder die Schreibungen der einzelnen Wörter so einfach und schnell einprägen würden, denn dann könnte ich jede Woche fünfzehn Wörter aus dem Grundwortschatz nehmen, sie den Kindern zeigen, sie diese notieren lassen und schwupps; wir wären in einem Schuljahr durch und alles wäre wunderbar!“
(Ein wenig Übertreibung darf schon sein, oder?)
Die Kinder schreiben ein gleiches Wort zu unterschiedlichen Zeitpunkten immer wieder anders. Warum? Weil sie in der Zwischenzeit neue Strategien kennenlernen, übernehmen, verinnerlichen und anwenden. Sie nutzen Gelerntes, um es auf Neues anzuwenden. Dabei entstehen beispielsweise solch schöne Fehler wie <Op“er“> und <Om“er“> (Opa und Oma). Wunderbare Übergeneralisierungen, die ein Zeichen für fortgeschrittene Rechtschreiblerner*Innen sind.

@Vortrag E. Brinkmann, Leipzig im März’19

Das morphematische Prinzip
Alle Wörter weisen eine Morphemstruktur auf, denn sie bestehen aus kleinsten Wortbausteinen, die relevant für Grammatik und Rechtschreibung sind.
Man zerlegt sie in Wortstamm, Vorsilbe, Endungen.
Ein paar Beispiele verdeutlichen Euch dieses Prinzip:
vorlesen: kein Merkwort, denn die Schreibweise erklärt sich durch die Vorsilbe „vor-“ • Berichtigung: keine Nomenprobe notwendig, Großschreibung erklärt sich durch die Endung „-ng“
laufen: nicht „laufn“, umgangssprachlich nicht gesprochenes <e> kann durch den Baustein „-en“ erklärt werden

Das orthografische Prinzip
Das orthografische Prinzip ist ein regelgeleitetes Prinzip und beherbergt eine Fülle von Regeln. Hier setzen wir systematische Prüfverfahren ein, die in vielen Lehrwerken als grundschulrelevante Strategien vorhanden sind.

Eine kleine Bestandsaufnahme der verschiedenen Ansätze, deren Hintergrund und Stärken und Schwächen könnt ihr auf der folgenden Abbildung sehen.

Habt’s fein!

@picaby

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