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Résumé der Schulschließungen – Zukunftsmelodien einer neuen Schule

Einmal erneut nutze ich meinen Blog, um etwas aus meiner Schulleitungssicht zu schreiben.

Nun sind bereits dreizehn Wochen seit den Schulschließungen in NRW vergangen und als Schulleiterin einer dreizügigen Grundschule liegt es auf der Hand diese Zeit zu reflektieren.
Was ist in dieser Zeit schulisch alles passiert? Treten wir auf der Stelle? Wo stehen wir momentan? Wo wollen wir als Schule in Zukunft stehen?

Direkt zu Beginn der Schulschließungen habe ich für meine Schule eine Schulplattform ins Leben gerufen, die uns bis zum heutigen Zeitpunkt treue Dienste in der schulischen Kommunikation (Team, Eltern, SchülerInnen), in der Terminstruktur, der Stundenplanorganisation und vor allem erste Schritte in der digitalen Arbeit im Distanzlernen leistet.
Mein Team hat sich seit der ersten Stunde der Schulschließungen sehr aktiv um eine Aufrechterhaltung und Intensivierung der Bindung zu den einzelnen Kindern und deren Familien bemüht. Nicht nur Briefe und Emails wurden geschrieben, sondern mehrfach die Woche telefoniert, über Messengersysteme gechattet und nach einem kurzen Findungsprozess innerhalb der Schule wurden VideokonferenzTools genutzt. Viel Wert wurde auf den direkten Kontakt zu den Familien gelegt, so dass beispielsweise eine Kollegin „ihre“ Kinder wöchentlich am Gartenzaun empfängt, neues Material austeilt, Smalltalk hält und dadurch genau sehen kann, wie es den Kindern geht. Andere KollegInnen wiederum installierten feste Bring- und Abholtermine vor dem Schulgebäude; verliehen Material und kamen ins Gespräch mit den Eltern. Grundschule muss weiterhin den Schwerpunkt auf die Habtik und den Umgang mit Lernmaterialien legen.
„Bindung vor Bildung“ ist und bleibt ein wichtiger Grundsatz in der Schularbeit. Nur über Beziehungen und durch gemeinsame Erlebnisse entstehen Kontakte, die wiederum zu Vertrauen führen.
Wöchentliche virtuelle Treffen in den einzelnen Jahrgängen und im GesamtTeam, mit der Schulsozialarbeit, der Steuergruppe, dem Leitungsteam des Offenen Ganztags und der Elternpflegschaft wurden durch mich schnell und verlässlich installiert. Die JahrgangsstufenTreffen sind mittlerweile wieder live und bereichern meine Sicht auf das operative Geschäft.
Wichtig ist und bleibt der klare Blick auf die Aufgabenverteilung. Dort muss die Stundenzahl, eine Klassenleitung, die Fächerkombination, eigene Kinder und Familie und die Zugehörigkeit zu einer Risikogruppe gesehen werden. Das stellt für mich bis zum heutigen Tag eine große Herausforderung da. Nur im stetigen Austausch miteinander, in Einzelgesprächen und im Geben und Nehmen kann dies funktionieren.
Wir mussten Hygienemaßnahmen umsetzen, passend dazu unsere Räumlichkeiten anpassen, die Schule als Wohlfühlort verändern und unseren SchülerInnen viel Vertrautes nehmen.
Wir waren auf all dies nicht vorbereitet. Keiner war das.
Wir könnten meckern.
Wir könnten warten bis die Stadt, die Kommune, das Land uns adäquate Mittel zur Verfügung stellt.
Wir könnten stehenbleiben und Stillstand produzieren.
Wir haben uns für ein proaktives Handeln entschieden und fühlen uns damit manchmal überlastet, überfordert und ausgelaugt. Dennoch machen wir weiter, bilden uns fort, installieren Mikrofortbildungen, arbeiten noch enger im Team zusammen und lassen uns nicht unterkriegen.
Wir verleihen unsere wenigen Endgeräte an Familien, die sie dringend benötigen. Wir schalteten eine digitale Abfrage, um unsere Arbeit an die Bedürfnisse der Einzelnen anzupassen.
Lasst uns Mutausbrüche wagen!
Nun muss ein Aktionsplan her und weil wir einmal wieder im Stich gelassen werden, stellen wir diese erneut für unser eigenes kleines Grundschulssystem auf, gleichen uns ab, sind kritisch aber dabei konstruktiv.
Ich nehme Überforderung und Unsicherheit wahr.
Ich fühle den Drang zu Neuem.
Ich höre in die Anliegen meiner Schulfamilie hinein.
Ich hadere, ich schwanke, ich lasse mich inspirieren und neu motivieren.
Ich greife mit meinem Team nach unseren Sternen für eine neue Art von Unterricht: Hybridunterricht

Ein positiver Aufschrei nach verlässlichen Strukturen war in unserer Schulfamilie in den letzten beiden Woche hörbar. Dazu gab es genaue Abstimmungen im Team, mit dem Lehrerrat und allen Beteiligten.
Wann, wo und vor allem wie sollen die Aufgaben erledigt werden? Dazu arbeiten wir seit vielen Jahren mit unseren Wochenplänen, die unseren SchülerInnen eine genaue Struktur vorgeben; in dieser sie jedoch freie Wahlmöglichkeiten haben. Die Bewältigung der Aufgaben muss an die neue Zeitsituation angepasst sein.
Eine verlässliche Erreichbarkeit der Klassenleitungen ist wichtig und wird durch angegebene Fernunterrichtsstunden, Eltern- und Kindersprechstunden ermöglicht. Dadurch entlasten sich die KollegInnen und arbeiten nicht gefühlt rund um die Uhr und bieten zu später Stunde noch passende VideoCalls für die Familien an. Es wird keine vorgegebenen Fächer im Fernunterricht geben. Dieser wird auf die Aktualität der einzelnen Lerngruppen angepasst. Die LehrerInnen schauen, wo genau Bedarf ist, was bereits mi Präsenzunterricht angestoßen wurde, wo noch nachgesteurt werden kann.

Unsere Krisenerkenntnisse fließen in eine neue Idee von Schule:

  • Wie muss ein Hybriduntericht und seine angelegten Aufgaben aussehen?
  • Lernerautonomie und Selbstständigkeit fördern
  • Lernorganisation
  • Fortbildungsangebote für das Kollegium (Installieren von Mikrofortbildungen am TeamTag, Anlegen eines padlets mit hilfreichen Fortbildungen in analoger und digitaler Form)
  • Hohe Transparenz, Wertschätzung und eine erweiterte Feddbackkultur in der Schulfamilie

und vor allem:

  • Mutausbrüche wagen und eine neue Fehlerkultur leben

Welche das sind? Kann ich nicht sagen. Was ich aber aus vollster Überzeugung sagen kann: jeglicher Mut ist willkommen und den unterstütze ich so gut ich eben kann.

Eine Teamstruktur ist wichtiger denn je, eine Vernetzung richtiger denn je!

Ab morgen öffnen alle Grundschulen in NRW.
Ich schaue den kommenden zwei Wochen mit sehr gemischten Gefühlen entgegen.

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Schulleitungen, vernetzt euch!!

Sandra Schumacher (Instagram , Facebook, Homepage) hat mich am Mittwochabend spontan gefragt, ob ich für ein kleines Interview zu haben wäre! Taaaddaaaa, da ist es.

Doch warum mache ich das? Habe ich nicht eigentlich schon genug zu tun? Sprinte vom morgendlichen Frühstück mit unseren eigenen zwei Kindern, nach dem ersten Call meines Mannes mit seinem Team, in meine Schule und plane, strukturiere, sehe und spreche mit Kolleginnen und Kollegen in der Notbetreuung, versuche Eltern in Beziehung zu begegnen.
Oder ich arbeite von zu Hause, bin gefühlt immer erreichbar (weil ich das in dieser Zeit sein muss und möchte) und beantworte Mails, Nachrichten über den Schulmanager, telefoniere, videokonferenze oder nehme an Webinaren teil. (wie gerade am CommunityCall#3 des Forum Bildung Digitalisierung)
Gerade in diesen doch sehr wirren und ungewissen Zeiten ist es wichtig sich zu vernetzen; vor allem auf Schulleitungsebene. Oft genug sind wir ein Stück weit alleine; haben vielleicht einen wundervollen und sehr engagierten Konrektor (oder eine Konrektorin) und wissen wo wir anrufen können, wenn wir Hilfe benötigen. Dennoch rufe ich ganz klar dazu auf: „Vernetzt euch!“
Redet miteinander: über das Tagesgeschäft, über Ängste, über Emotionen und Gefühle. Redet über Ideen und lasst inspirieren und nehmt Hilfe an.

Jan Martin Klinge hat passend dazu einen brandaktuellen Blogartikel geschrieben, der sehr sehr lohnenswert ist.

Dazu möchte ich gerne ergänzen:
Als Schulleitungen müssen wir nun verstärkt in die Gedanken gehen, wie unsere Schülerinnen und Schüler bei Schulöffnung wieder zu uns in die Schule kommen. Es wird facettenreich werden. Themen wie Angst, Unsicherheit, Verluste, Bindungsstörung, Hoffnung, Erleichterung und noch viele weiter bislang nicht greifbare Gefühle werden in unsere Schulfamilien schwappen. Es muss Zeit und Raum für diese Gefühle und Erlebnisse geschaffen werden.

EMOTIONAL vor SOZIAL vor KOGNITIV

Unsere Kolleginnen und Kollegen müssen sich darauf einstellen auftretende Symptome zu würdigen; das heißt in erster Linie Gefühle zu markieren, sie zu benennen und dann zu beschreiben und zu besprechen.
Somit müssen wir als Schulleitung auch die Verfassungen unseres Kollegiums stark im Blick haben. Mit weiteren sieben Schulleitungen bin ich momentan in einem sehr engen Kontakt mit dem Schulpsychologischen Dienst unserer Stadt. Dort wird aktuell ein Supervisionsangebot für KollegInnen erarbeitet, dass an unsere, in der Vergangenheit installierten Supervisionsgruppen in den einzelnen Schulen, anknüpft.
Ein reichhaltiges Unterstützungsangebot für die Kolleginnen und Kollegen vorab; während der Osterferien. Denn wenn Schule wieder öffnet ist es dafür zu spät!

Ich wünsche euch von Herzen alles Gute, bleibt zu Hause, schafft euch kleine Freiräume zum Atmen!

@pixabay

Eigentlich gehört dieser Beitrag thematisch nicht auf meinen Blog.
Aber besondere Zeiten rufen besondere Blogartikel hervor. 😉

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Ein „ganz normaler“ Tag – zwischen Schulleitung und den besten Menschen der Welt

Immer wieder fragen mich viele Freunde und Bekannte: „Wie schaffst du das alles? Dein Tag muss doch mehr als 24 Stunden haben?!“
Gerne gebe ich Euch heute einmal einen Einblick in einen „ganz normalen Tag“ in meinem Leben.

Der Wecker klingelt um 6:30h. ⏰
Manchmal kommt unser Großer kurze Zeit später bereits runter, meistens ist es im Hause Fröhlich aber noch sehr ruhig. Unsere Kleine schläft friedlich bis sie geweckt wird!
Ich frühstücke in Ruhe, esse mein Müsli und trinke meinen Kamillentee (das ist wie für viele von euch die wichtige Tasse Café am Tag).
Ansonsten mache ich parallel Frühstück für die Kids. Mein Mann steht um 7:00h auf, hilft den Kids ggf. beim Anziehen und fertigmachen und bringt sie in den Kindergarten.
In der Regel bin ich gegen 7:15h in der Schule.
Luxus, denn meine Schule ist nur 3km von unserem Haus entfernt. Es wird definitiv Zeit für ein E-Bike, da zwischen Schule und zu Hause ein wirklich steiler Berg liegt, ich diese kurze Strecke allerdings nur sehr ungern mit dem Auto zurücklegen möchte.

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Schreibkonferenzen

@pixabay

Einen sehr umfassenden Bereich bildet das Thema rund um Schreibkonferenzen.
Ich möchte mit diesem Blogbeitrag zwei Schwerpunkte setzen.
1. Schreibkonferenz zum Inhalt
2. Schreibkonferenz zur Rechtschreibung

Immer wieder wird mir während meiner Fortbildungen DIE eine Frage gestellt: „Wieso soll man das denn trennen?“ Da rauscht das Blut durch meine Adern, ich bekomme Schluckauf und Schnappatmung. Warum?
Stellt Euch vor, ihr überarbeitet einen Schulprogrammbaustein. Könnt ihr zeitgleich auf Inhalt, Satzbau, Grammatik und Rechtschreibung achten? Ich schaffe das nicht! Wie sollen es dann unsere Schülerinnen und Schüler tun?

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